„Ich bin bei dir!“ ...

- ein Gottesdienst zu Hause und mit allen durch den Geist Gottes verbunden

 

Begrüßung

Sie sitzen gerade am Computer und öffnen diese Andacht. Dabei haben Sie sich vielleicht eine Kerze angezündet oder tun es gleich und ihre Tasse mit dem Kaffee oder Tee am Morgen steht daneben.
Schön, dass Sie sich einige Minuten Zeit nehmen. Zeit für Gott. In unruhigen, ja beunruhigenden Zeiten. Heute am Sonntag um 10 Uhr. An einem ungewohnten Ort. Nicht in der Kirche, sondern am Esstisch oder im Lesesessel zu Hause.
Sich Zeit für Gott nehmen – das können wir „Gott sei Dank!“ zu jeder Zeit und an jedem Ort. Da gibt es kein besser oder schlechter.
Jetzt sind Sie da! Für Gott da. ER heißt Sie willkommen!

Votum

So feiern Sie im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. + Amen.

Gebet mit Psalm 121

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
4 Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.
5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Stille


Predigt

Ich bin bei Dir,
Kein Augenblick bist Du allein!
Vertraue Mir,
Dann kehrt in Dir bald Ruhe ein!

Gott sagt uns diese Worte zu. Wie hören wir sie? Nicken wir oder kommt da ein leises Zweifeln in uns hoch? Wenn ich auf mein Leben schaue, dann... vielleicht kommt in uns eine Sehnsucht auf... das möchte ich spüren! Das möchte ich auch für mein Leben glauben können.

Eine Begegnung, von der im NT berichtet wird, beschäftigt mich schon seit langem. Ich möchte sie euch erzählen:

Die Geschichte, wie sie im Johannesevangelium aufgezeichnet ist, erzählt nicht viel vom Hintergrund und den Ursachen dessen, was geschieht. Kurz gefasst: Es kommt zu einer ersten Begegnung zwischen dem Auferstandenen und seinen niedergeschlagenen Jüngern, die bis dahin geglaubt haben, er sei tot. Bei dieser ersten Begegnung ist Thomas nicht dabei, sondern an irgendeinem anderen Ort.

Einer der Jünger, Thomas, der auch „Zwilling“ genannt wurde, war nicht dabei gewesen, als Jesus kam«, heißt es bei Johannes. Dieser kurze Satz erzählt eine lange Geschichte. Eine Woche später kommt es zu einer zweiten Begegnung.

Jetzt ist Thomas dabei. Zwischen diesen zwei Ereignissen gibt es einen leeren Raum, der hochinteressant ist.
Warum war Thomas beim ersten Mal nicht dabei? Was hat er in dieser Woche getan? Brauchte er diese Extrazeit, um dann schließlich doch den Platz einnehmen zu können, der schon immer seiner war?

So kommt es zu der nun folgenden Begegnung in Joh 20:

24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.

26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Thomas - der am häufigsten wie ich finde missverstandene Jünger Jesu.
Thomas - der Zweifler. Sein Name bedeutet aber Zwilling. Und mir wurde klar, dass es einen Zwillingsbruder oder eine Zwillingsschwester gegeben haben muss.
Wer war der andere Zwilling, der nie genannt wurde? Und vor kurzem las ich in einem Buch eine Überlegung, die mich stutzen ließ: was wenn alle Menschen, die sich im Laufe der Geschichte mit Thomas verwandt fühlen, seine Zwillingsbrüder und -schwestern sind?
Alle, die einfach glauben aber kämpfen mussten, um Vertrauen zu können? Die wie Thomas sehen wollen, ehe sie glauben konnten?

Für mich ist Thomas nicht der Zweifler, sondern ein Realist. Was die Bibel über ihn sagt, ist sehr wenig. Er selbst scheint nicht immer zu wissen, was er glaubt, aber er bleibt sich immer treu.
Die wenigen Worte, die etwas über ihn sagen, zeigen mir, dass er ein Mensch ist, der Gegensätze verbindet und zwar nicht nacheinander sondern gleichzeitig.

Was mich bei Thomas anzieht, ist die freimütige Art, in der er Jesus anspricht. Was mich anzieht, ist sein Mut, grundehrlich zusein, lästig zu werden und sich das Recht herauszunehmen, zu zweifeln und Dinge infrage zu stellen, auch wenn niemand sonst das zu tun scheint.
Was mich anzieht, ist auch sein Mut, sich überzeugen zu lassen, wenn neue Fakten auftauchen, dass er so schnell von einer Haltung des Zweifelns zu einer Haltung des Anbetens zu wechseln wagt.

Er zeigt mir, es ist nicht verwerflich, tatsächlich zu finden, was man gesucht hat.

Wie Thomas handelt erzählt nicht davon, wie wichtig das Zweifeln ist, sondern davon wie der Glaube bewahrt wird. Das ist ein himmelhöher Unterschied.
Thomas zweifelt auf eine konstruktive Weise, da ist eine Bewegung in seinem Kampf, eine Richtung. Er will glauben.
Zweifel ist nützlich. Er hilft uns zu erkennen, was echt ist und was wir wirklich wollen.
Und wer glaubt,Mist alles andere als fertig. Er steht auch nicht still.

Gerade wer glaubt ist im Werden begriffen, in Bewegung. Unser Glaube ist eine lebenslange Reise, die zu immer neuen Entdeckungen und Herausforderungen führt.

Thomas unterwegs auf dieser Reise. Er sucht. Er betrachtet das Gehörte von zwei Seiten, was ja die Natur des Zweifels ist.

Und ich lese mit Begeisterung: Thomas ist willkommen - mit seinen Fragen und mit seiner Unschlüssigkeit. Jesus spricht ihn an - um ihn und nur um ihn geht es bei der zweiten Erscheinung des Auferstanden.
Dass Thomas nicht glücklich war, als die anderen Jünger ihm erzählen, der Auferstandene sei ihnen begegnet, ist nachzuvollziehen. Er hat das Gefühl nicht dazuzugehören. Außen vor zu sein.
Und Thomas trauert um seinen Freund und ein wenig um sich selbst. Der Aufbruch - alles, was er gekostet hat - war wenn man alle Fakten auf den Tisch legt, die Fehlentscheidung seines Lebens. Er brauchte Zeit für sich - Zeit alleine zu sein und in dieser Zeit begegnen die anderen Jesus.

Thomas versteht es nicht, er fragt und zweifelt. Und Jesus begegnet ihm. Liebevoll, mit ausgestreckten Händen. Er darf seine Finger in die Wunden Jesu legen, er darf fühlen, was er einfach nicht glauben kann.
Jesus lädt ihn ein und schaut ihn mit liebevollen Augen an. Seine Liebe lässt Thomas wagen über seinen Schatten zu springen.

Ich glaube fest daran, dass Jesus auch heute genauso mit uns Zwillingsschwestern und -brüdern umgeht. Das er uns mit liebevollen Augen anschaut und zu uns sagt:

Ich bin bei Dir...
Vertraue Mir,
Dann kehrt in Dir bald Ruhe ein!
Pfarrerin Swenja Müller

Gebet

Du Gott des Lebens,
du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
Du rufst uns, aber wir sind unsicher.
Du rufst uns, aber wir fürchten uns.
Ungewissheit und Angst erfüllen unsere Gedanken. Wir sind in Sorge.
Wir sorgen uns um unsere Lieben.
Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an.

Behüte und bewahre sie.
Wir vertrauen uns deiner Fürsorge an. Behüte uns und bewahre uns.
Herr, erbarme dich.

Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Segen

Sei gesegnet auf dem Weg, der vor dir liegt,
bleib behütet in der Gnade, die dich trägt.
Lass dich leiten und verlass dich auf den Herrn,
er wird dich in seinem Segen sicher führ’n.
Denn der Höchste, der dich sieht,
ist auch das Tiefste, das dich trägt,
über den Horizont hinaus.
Du kannst nicht tiefer fallen als in seine starke Hand,
sie hält dich bei Sturm und Wind.
Sei gesegnet, mach dich auf und werde Licht,
lass es leuchten, zeig der Welt, was in dir liegt.
Lebe mutig, nicht nur angepasst und zahm,
voller Lebenslust und ohne falsche Scham.
Höher, tiefer, weiter als jeder Horizont!
Niemand und keine Macht,
da ist nichts, was uns trennt von seiner Hand.

Amen

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